Dr. Herman Lohausen

Kaiserswerth nach einem Stich von Merian aus dem Jahre 1645 (LVR-ZMB)

Friedrich-Spee-Epitaph von Bert Gerresheim (1990),

Befestigung an der Außenmauer der Kaiserswerther Basilika

 

Friederich Spee

Fotos hier mit freudlicher Genehmigung des Künstlers

P. FRIEDRICH SPEE SJ (1591 - 1635)

Name - Nimbus - Herkunft - Verwandtschaft

 

von
Herman Lohausen

4. Jahrbuch WGfF 2012


 

 

 

„Vieles, was den Adel so adelig macht, ist bürgerlicher Kotau.“

Paula Almquist in: „Eine Klasse für sich - Adel in Deutschland“

 

 

„Bei diesen Bemühungen um die Erhellung der historischen Wahrheit,

bei dem Bestreben um korrekte Wiedergabe des Namens,

handelt es sich keineswegs darum - welche Ergebnisse auch dabei

herauskommen – Friedrich Spees Persönlichkeit in irgendeiner Weise zu erhöhen

oder gar einzuschränken.“

Karl Keller in: „Friedrich Spee, Name und Herkunft“

 

Vorbemerkung

 

Das Bestreben um eine korrekte, der historischen Wahrheit entsprechende Wiedergabe seines Namens tangiert nicht das hohe Ansehen des weltberühmten Jesuitenpaters Friedrich Spee. Weder sind die umstrittenen Namenszusätze, die ihn als Adligen ausweisen sollen, geeignet, seine Persönlichkeit zu erhöhen, noch kann ihre Ablehnung seine Persönlichkeit „einschränken“.

 

Unbestritten ist, dass Pater Friedrich Spee SJ zu Lebzeiten nie anders geheißen hat als Friedrich Spee. Von Niemandem ist er anders genannt worden, und auch er selbst hat sich stets nur Friedrich Spee genannt.

 

Mit dem Nimbus des „Pater Friedrich Spee SJ“ ist die Bewunderung, die seinem dichterischen Werk gilt, ebenso unlösbar verbunden wie die Hochachtung, die wir seinem unbeirrt-mutigen Einsatz für das Recht entgegen bringen. Er war ein Aristokrat des Geistes und er war ein Gerechter. Kein Adelstitel könnte diesen vornehmen Glanz seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit „erhöhen“.

 

 

 

 

I. Pater Friedrich Spee SJ und Pater Matthias Spee SJ

 

Auf seiner „Historischen Wanderung durch die alte Stadt Düsseldorf” 1 verhält Hans Ferber einen Moment vor der Nr. 44 der Düsseldorfer Hundsrückenstraße und vermeldet, dieses Haus sei 1820 im Besitze des Kölner Appellationsgerichts-Rathes Haugh gewesen. „Hier”, so weiß er zu berichten, „starb am 3. Juli 1814 der Ex-Jesuit Pater Matthias Spee, Sohn des Hospitals-Verwalters Spee zu Düsseldorf, im hohen Alter von 79 Jahren.” - Ein Jesuitenpater Spee zu Düsseldorf! Wem, so möchte man meinen, käme nicht die historische Gestalt des berühmten Jesuitenpaters Friedrich Spee aus dem nahen Kaiserswerth in den Sinn und wem stellte sich nicht zugleich auch die Frage nach einem möglichen verwandtschaftlichen Zusammenhang zwischen den beiden gleichnamigen Jesuitenpatres? Doch Hans Ferber scheint der bemerkenswerte Gleichklang von Namen und geistlichem Stand nicht aufgegangen zu sein.

 

Ein Blick ins Namensregister des sowohl topographisch wie personengeschichtlich bedeutsamen Buches gibt zwar Aufschluss, dass der Name Spee auch noch an anderen Stellen der „Historischen Wanderung” Erwähnung findet, aber da handelt es sich stets nur um die Freiherren und Grafen v. Spee. Diese nun in einen möglichen verwandtschaftlichen Zusammenhang zu bringen mit dem offenbar aus bürgerlichen Verhältnissen stammenden Matthias Spee, davor hat Ferber wohl sein Respekt vor adeliger Exklusivität bewahrt.

 

Aus gleichem Grunde mag er verwandtschaftliche Zusammenhänge mit dem Pater Friedrich Spee nicht in Erwägung gezogen haben - denn es gab ja genügend Anlass, auch ihn für einen „Adligen” zu halten. Wird doch der wegen seines Kampfes gegen Hexen- und Folterwahn weltberühmte Jesuitenpater Friedrich Spee seit jeher in manchen Veröffentlichungen Friedrich „v. Spee”, Friedrich „Graf v. Spee” 2 oder Friedrich Spee „v. Langenfeld” genannt. Erst jüngst noch stellte Jan Zopes, Inhaber des Lehrstuhls für Strafrecht und Strafprozessrecht an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz, seinem studentischen Auditorium wie auch den Lesern des Friedrich-Spee-Jahrbuches 2003 3 den Friedrich Spee als „Friedrich Spee von Langenfeld” vor, der auch „Friedrich von Spee” genannt werde. Das sei allerdings „nicht ganz” zutreffend, da das Geschlecht erst im 18. Jahrhundert in den Reichgrafenstand erhoben worden sei.

 

 

II. Die Herkunft des Jesuitenpaters Friedrich Spee

 

Namenszusätze, die der geschichtlichen Gestalt des Pater Friedrich Spee SJ den Nimbus eines Adligen vermitteln, lassen sich weder mit den historischen Gegebenheiten vereinbaren, noch sind sie dem Ansehen des mutigen Widersachers gegen Hexen- und Folterwahn dienlich. Aber trotzdem ist so manch Einem im Kreise der Verehrer des Friedrich Spee leider mehr an dem fragwürdigen Adelsnymbus gelegen als an der historischen Wahrheit.

 

Gegen die Ausschmückung seines Namens mit einem „v.“ bzw. einem „v. Langenfeld“ spricht eigentlich schon, dass Pater Friedrich Spee sich selbst nie anders als schlicht Friedrich Spee genannt hat und er auch zu Lebzeiten nie anders genannt worden ist, wie ja auch sein Vater und sein Großvater uns nur mit dem schlichten Namen Spee überliefert sind.

 

Das „von“ paßt sprachlich ohnedies nicht zum Namen Spee, weil dieser kein Orts- und Herkunftsname ist, weshalb denn auch alle Namensträger Spee, selbst soweit sie landadeligen Standes waren, kein „von“ vor dem Namen geführt haben – bis auf die Angehörigen der Linie zu Altenhof, die im Zusammenhang mit dem ihnen verliehenen Freiherrentitel sich v. Spee nennen durften und sich mit gutem Grund dann auch so genannt haben.

 

Die Hinzufügung von Adelsprädikaten, als welche die genannten Namenszusätze unbestreitbar wirken, verbietet sich aber vor allem deshalb, weil Friedrich Spee kein Adeliger gewesen ist. Daran ändert nichts, dass seine Vorfahren Adelige waren. Auch ist es unerheblich, ob diese nun genealogisch der Linie der Spee v. Langenfeld zuzurechnen sind. Schon Friedrichs Vater, der Kaiserswerther Amtmann Peter Spee, hätte der besonderen Verhältnisse seiner Herkunft wegen keinen Adelstitel führen und sich nicht Spee v. Langenfeld nennen können, weil er mit diesem Bezug auf einen adeligen Stammsitz sich eines ihm nicht zukommenden adligen Standes berühmt hätte.

 

Der Amtmann Peter Spee war nicht von „adeliger Geburt“, er wurde als uneheliches Kind einer Magd geboren. Das geht aus einer Urkunde des Kaiserswerther Stifts aus dem Jahre 1531 hervor. Damals kaufte der Amtmann und Juncker Friedrich Spee den mit seiner Magd Goune gezeugten Kindern ein Haus in Kaiserswerth; zu den Kindern gehörte neben den drei Töchtern Hedwig, Drutgen und Maria auch ein Sohn namens Peter. Die Fakten zwingen zu dem Schluss, dass dieser Sohn Peter identisch ist mit dem nachma- ligen Amtmann Peter Spee, dem Vater des Jesuitenpaters Friedrich Spee. Ein anderer Peter Spee ist in der urkundlichen Überlieferung nicht in Sicht.

 

Wer im Internet unter „FamilySearch“ nach Friedrich Spees Vater Peter Spee Ausschau hält, erfährt Bemerkenswertes: Sein Sohn Friedrich Spee heißt dort „Friedrich von Spee“, während er selbst, der Vater, dagegen schlicht „Peter Spee“ genannt wird. Das Jahr von dessen Eheschließung mit Mechtild Dücker wird - offenbar mit Blick auf Friedrichs Geburtsjahr - mit „about 1590“ in Anschlag gebracht, das seiner Geburt folgerichtig geschätzt auf „about 1566“, ein Datum für die Todeszeit fehlt. Von wem diese Nachrichten stam- men? „No source information is available“!

 

Der in der Urkunde von 1531 als unehelich geboren erwähnte Peter Spee muss bei Friedrichs Geburt am 25. Februar 1591 mindestens 60, und 1602, wenn Robert Spee als Amtmann Erwähnung findet, mindestens 71 Jahre alt gewesen sein – sofern er da noch gelebt hat. Wahrscheinlich ist Peter Spee schon einige Jahre vor 1602 verstorben und auch sein Amt ist einige Jahre früher schon auf Robert Spee übergegangen.

 

Wenn auch die Unehelichkeit seiner Geburt und die Abstammung von einer Magd kein Hindernis für Peter Spee waren, die Nachfolge seines Vaters als Amtmann anzutreten und wie sein Vater für edel und vornehm zu gelten, so verhinderten diese Umstände desungeachtet doch, dass der adelige Stand seines Vaters auf ihn und weiter dann auf seinen Sohn Friedrich, den nachmaligen Jesuitenpater, hätte übergehen können.

 

Friedrich Spees Herkunft haftete übrigens aus adelsständischer Sicht offenbar noch ein weiterer genetischer Mangel an, der allerdings weitaus weniger schwerwiegend war. Er entstammte der Ehe seines Vaters mit Mechtild Dükker, einer Tochter des Landadligen Adolf Dücker mit seiner zweiten Frau Anna Schmidt von Wambach. Letztere muss, wie ihr Name Schmidt ausweist, von nichtadeligem Stande gewesen sein, sie galt mithin nach den strengen Regeln der landadeligen Gesellschaft als nicht standesgemäß. Man darf wohl davon ausgehen, dass Friedrich Spee, ungeachtet des hohen Ansehens, dessen er sich der Herkunft von einem adligen Vater wegen erfreuen konnte, doch unter dem Zwiespalt gelitten hat, weder ganz dem Adel, noch ganz dem Bürgertum zugehörig zu sein. Dies um so Mehr, als ihn seine Herkunft möglichenfalls nicht einmal befähigte, Kanoniker am heimatlichen Stift St. Suitbertus zu werden. Denn dafür hätte er wahrscheinlich eines lückenlosen Abstammungsnachweises bedurft, für den zwar nicht eine ununterbrochene Kette adeliger, aber doch eine solche ehelicher Herkunft Voraussetzung gewesen wäre.

 

 


III. Der Name „v. Spee“ – Inbegriff rheinisch-adliger Grandeur

 

Wie kommt es nun, dass trotz dieser genealogischen und standesrechtlichen Sachlage in alten wie neuen Veröffentlichungen die Rede ist von „Friedrich v. Spee“ oder „Friedrich Spee v. Langenfeld“?

Bis in die jüngste Zeit hinein haben sich manche Autoren offenbar von dem Nimbus blenden lassen, der mit dem Namen der auf Schloss Heltorf residierenden Grafen v. Spee verbunden ist. Deren Vorfahren waren bereits über acht Generationen auf dem adligen Gut Altenhof bei Kaldenkirchen, nahe der niederländischen Grenze, ansässig gewesen, als der 1626 geborene Christi- an Friedrich Spee, Sohn des der reformierten Konfession zugehörigen kurbrandenburgischen und dänischen Generals Seger Spee, schließlich Herr auf dem nahe Kaiserswerth gelegenen Schloss Heltorf wurde. Er hatte seine Sippe zum katholischen Glauben zurückgeführt und 1649 die Witwe und Erbin von Schloss Heltorf, Maria Reichsfreiin v. Scheidt genannt Weschpfennig, geehelicht. Und jetzt erst, wohlgemerkt erst jetzt, wenn der Kaiserswerther Pater Friedrich Spee schon 14 Jahre tot ist, beginnt in der Geschichte der alten, aber bis dahin nicht weiter historisch in Erscheinung getretenen Landadelsfamilie Spee jene höfische Heltorfer Glanzzeit, die den Namen v. Spee zum Inbegriff rheinischadeliger Grandeur machen sollte.

 

Zur Zeit der Eheschließung noch kurbrandenburgischer Hauptmann, durchläuft der neue Heltorfer Schloßherr schon bald eine glänzende Karriere in kurpfälzischen Diensten, wird Geheimrat, Hofmarschall, Amtmann zu Brüg- gen, Generalkommissar und Kammerpräsident und erfährt schließlich 1668 die Erhebung in den Reichsfreiherrn-Stand mit dem Zusatz „von“ Spee. Später wird seinem Enkel Ambrosius Franz eine weitere Standeserhöhung zuteil, er und seine Nachfahren werden in den Reichsgrafenstand erhoben und im Wappen der neuen Grafen v. Spee werden dem Spee ́schen Hahn die drei Lohausen ́schen Rauten hinzugefügt, ein Bezug auf die Herren v. Lohausen-Trosdorf als den vormaligen Besitzern der Herrschaft Heltorf.

 

Angesichts der gräflichen Grandeur, die fortan den Nimbus des Namens Spee ausmacht, konnte es nicht ausbleiben, dass im historischen Rückblick die Aureole hochadligen Standes auch den Namen des Jesuitenpaters Friedrich Spee überglänzen würde. Man assoziierte mit dem Namen des Friedrich Spee automatisch den Namen der Grafen v. Spee und die Grafen v. Spee bejahten gerne einen familiären Zusammenhang. Der große Barockdichter und international renommierte mutige Kämpfer gegen Hexen- und Folterwahn war schließlich kein schlechtes Aushängeschild. Gewiss sind auch manche Autoren der Ansicht gewesen, der Nimbus eines Adligen stehe dem Jesuitenpater gut zu Gesicht. Es hat sicher auch Autoren gegeben, die schon den Gedanken, der hochwürdige Pater Friedrich Spee könnte womöglich nicht der weithin bekannten gräflichen Adelsfamilie zuzurechnen sein, als für dessen Ansehen als allzu entwürdigend empfunden haben, um ihn überhaupt erst in Erwägung zu ziehen.

 

IV. Die Düsseldorfer und die Wankumer Schöffen Spede alias Spee

 

Wie stark der Name Spee gerade in der ehemaligen Residenzstadt Düsseldorf und deren Umgebung vom Image hochadeligen Standes geprägt wurde, lässt sich beispielsweise an einem Bericht des oben schon erwähnten Düsseldorfer Heimatforschers Hans Ferber über die im 14. Jahrhundert amtierenden Düsseldorfer Stadtschöffen Spede ablesen. Ferber, der übrigens von den Grafen Spee beauftragt war, deren Stammtafel zu erstellen, leitet seine Ausführungen mit der Bemerkung ein, der Name dieser Stadtschöffen Spede berühre „angenehm unser Ohr“, und er denkt dabei an die bis ins 17. Jahrhundert hinein sich ebenfalls „Spede“ nennende reichsgräfliche Familie von Spee, fügt aber sogleich hinzu, eine „Zusammengehörigkeit der Familien von damals und jetzt“ bestehe gleichwohl nicht. Tatsächlich ist im Siegel der Düsseldorfer Stadtschöffen Spede jener für das Wappen der gräflichen Namensträger typische Spee ́sche Hahn nicht enthalten. Wappen-Wechsel waren allerdings damals nichts Außergewöhnliches. Wie dem aber auch sei, Ferbers apodiktische Ablehnung eines familiären Zusammenhanges wäre wohl weniger überzeugend erschienen, hätte er die Düsseldorfer Stadtschöffen Spede nicht mit den Grafen von Spee gedanklich assoziiert, sondern mit jenem Wankumer Schöffen (!) Reiner Spee, der 1561 mit dem Spee`schen Hahn siegelt und sich damit als einen nahen Verwandten der ursprünglich zu Wankum ansässigen gräflich-Spee`schen Vorfahren ausweist. Dieser Schöffe Reiner Spee brauchte Ferber allerdings nicht bekannt sein, denn selbst die Grafen von Spee, in deren Archiv sich Ferber offensichtlich über die Spee`- schen Familienverhältnisse informiert hat, scheinen insoweit ihre eigene Genealogie nicht gekannt zu haben und kennen sie wohl auch heute noch nicht ganz: Im Rheinischen Wappen-Lexikon aus dem Jahre 1951 lässt Wilderich Graf von Spee beispielsweise den Stamm der Spee zu Wankum ohne Rücksicht auf den noch 1561 urkundlich genannten Wankumder Schöffen Reiner Spee schon im 15. Jahrhundert erloschen sein!

 

 

 

V. Pater Friedrich Spee – Schützling eines mächtigen Adelsgeschlechts?

 

 

Selbst die Kenntnis der genealogischen Fakten halten einige Autoren nicht davon ab, weiterhin durch Namenszusätze den Jesuitenpater Friedrich Spee als Adligen erscheinen zu lassen. Dahinter steht natürlich der gut gemeinte Wunsch, das Bild des verehrten Helden mit einer möglichst hell leuchtenden Gloriole zu versehen. Es fragt sich aber, ob hier nicht das Gegenteil erreicht wird. Es könnte ja auch der Eindruck entstehen, Friedrich Spee habe aufgrund seiner vermeintlich „hohen“ Geburt und seiner vermeintlich mächtigen Verwandtschaft kaum ernsthafte Schwierigkeiten zu befürchten gehabt, wenn er mit seiner „Cautio Criminalis“ gegen den Stachel löckte. Mit Mächtigen im Bunde lässt sich leicht aufbegehren und rebellieren.

 

Die erst vor wenigen Jahren erschienene Spee-Biographie von Joachim-Friedrich Ritter scheint diese Bedenken zu rechtfertigen. Auch wenn es so scheint, als hätten die Passagen, die sich mit Spees Herkunft befassen, in Ritters Biographie lediglich marginalen Charakter, kann ihre biographische Bedeutung schon deshalb nicht heruntergespielt werden, weil Ritter seine Biographie geradezu demonstrativ „Friedrich von Spee, ein Edelmann, Mahner und Dichter“ nennt. Wenn er im Vorwort verspricht, seine neue Biographie fuße auf wissenschaftlich abgesicherten Erkenntnissen, sollte dies auch für die Behauptung gelten, Friedrich Spee sei ein „Adliger“ gewesen, was doch mit der im neueren Schrifttum an sich nicht mehr üblichen Hinzufügung des „von“ zum Namen Spee und mit der Bezeichnung „Edelmann“ eindeutig impliziert wird.

 

Es ist schon bezeichnend, dass Ritter seine Biographie mit dem Satz beginnt: „Der Name Spee hat noch immer einen hellen Klang, wenn auch die Linie des Hauses Langenfeld längst erloschen ist, dem [...] Friedrich Spee von Langenfeld entstammte“. Bei Ferber heißt es 100 Jahre früher, wie oben zitiert, der Name Spee berühre angenehm unser Ohr. Ritter und Ferber ergeht es also gleichermaßen, beide erliegen sie der assoziativen Wirkung des Gleichklanges der Namen „Spee“ und „von Spee“. Also heißt Friedrichs Vater Peter Spee bei Ritter „Peter von Spee“. Und da „Spee“ und „von Spee“ für ihn ein und dasselbe sind, wird 1533 „das Familienoberhaupt“ in den Freiherrnstand erhoben, so als handle es sich bei diesem um das Oberhaupt aller Spees. Wer das Familienoberhaupt gewesen sein soll, darüber schweigt sich Ritter leider aus, statt dessen erfahren wir im folgenden Satz, dass 1739 (!) dem Ambrosius Freiherrn v. Spee zu Heltorf die Grafenwürde verliehen wurde, zu einer Zeit also, da Friedrich Spee schon 100 Jahre tot war! Aber Ritter hält es sogar noch für relevant, darauf hinzuweisen, dass 1829 (!) „die Anerkennung des Grafenstandes in Preußen erfolgte“! Und das ist immer noch nicht alles. Wir erfahren des Weiteren von dem Panzerschiff „Graf Spee“, dass es 1939 (!) in auswegloser Lage, nachdem die Besatzung in Sicherheit gebracht worden war, von seinem Kommandanten in der Mündung des La Plata versenkt wurde. Und wir erfahren auch, dass das Panzerschiff seinen Namen nach dem Vize-Admiral Maximilian Graf von Spee geführt hat, jenem am 8. Dezember 1914 in der Seeschlacht bei den Falklandinseln zusammen mit seinen zwei Söhnen gefallenen Sieger von Coronel. Zum hellen Klang des Namens Spee gehört für Ritter schließlich auch die Erinnerung an jene Gräfin Spee, welche die Mutter des Bischofs von Münster war, des nachmaligen Kardinals Clemens August Graf von Galen, der sich in den Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland berufen gewusst habe, in aller Öffentlichkeit aufzutreten „gegen Willkür und Gewalttat, gegen die verteidigungslose Verdammung Unschuldiger, für Gerechtigkeit, Freiheit, Wahrhaftigkeit“.

 

Vielleicht wollte Ritter mit diesem Lobgesang auf die Grafen v. Spee dem Leser suggerieren, Mut und Tapferkeit, wie sie den Charakter des Friedrich Spee geprägt hatten, seien ein typisch Spee`sches Erbteil gewesen, das sogar noch nach Jahrhunderten bei den Grafen v. Spee Wirkung gezeitigt habe. Sicherlich aber sollten sie zu jener Adels-Gloriole gehören, mit der er das Bild seines Helden Friedrich Spee umglänzt sehen will.

 

Nachdem der Leser hinreichend auf den „hellen Klang“ des gräflichen Namens v. Spee eingestimmt ist, springen Ritters Ausführungen unvermittelt über zu Hinweisen auf die Linie der Spee zu Langenfeld, die er mit dem im Geldrischen Lehnsregister für 1326 genannten „Goswin Spede von Langenfeld“ beginnen lässt. Und schon im nächsten Satz ist für Ritter ein „Edler Friedrich Spee von Langenfeld“ [...] im Jahre 1536 in kurkölnischen Diensten als Amtmann, Burgvogt und Kommandant des festen Platzes Kaiserswerth, der ehemaligen Kaiserpfalz nachweisbar, wie nach ihm sein Sohn, der als „rechtskundig“ bezeichnete Peter Spee von Langenfeld“.

 

Dieser Satz nun, so wie er da steht, ist irreführend, seine Aussage ist sogar schlicht falsch. Nachweisbar sind nämlich nur ein Junker Friedrich Spee und sein Sohn Peter Spee, nicht aber ein Edler Friedrich Spee „von Langenfeld“ und auch kein Peter Spee „von Langenfeld“. Darüber hilft auch nicht der mittels Fußnote erfolgende Verweis auf Heribert Waiders „Die Bedeutung der Cautio Criminalis des Friedrich Spee von Langenfeld [...] etc. p. p.“ hinweg. Vielleicht ist diese Fußnote auch nur verrutscht und es sollte auf Emmy

Rosenfeld 5 Bezug genommen werden, auf die sich Ritter ja ansonsten mehrfach beruft.

 

Rosenfeld verfährt 6 nämlich ganz ähnlich wie Ritter und wirft wie er die Genealogien der verschiedenen Linien der Spee und der von Spee in einen Topf. „Das Geschlecht“ trage für Jahrhunderte den „einfachen Adelstitel“, berichtet sie, ohne zu sagen, was sie mit dem einfachen Adelstitel meint. Sollte sie an das mystisch-mythische Wörtchen „von“ gedacht haben, so wäre ihre Aussage eindeutig falsch. Denn dieses „von“ ist eben nicht vom Geschlecht Spee über Jahrhunderte geführt worden. Welchen „einfachen Adelstitel“ sie sonst meinen könnte, ist nicht ersichtlich. Seit 1530, so Rosenfeld weiter, führe eine Linie die freiherrliche Krone „im Wappen“. Wiederum lässt sie den Leser im Unklaren, was das heißen soll. Gemeint sein kann eigentlich nur eine Freiherren-Krone „über“ dem Wappen. An den gekrönten Hahn im Wappen kann sie nicht gedacht haben, dessen Krone ist nicht als Freiherrenkrone auszumachen.

 

Am 9. Mai 1739, fährt Rosenfeld fort, sei das Geschlecht durch Kaiser Karl VI. in den Grafenstand erhoben worden, zu einer Zeit also, da die Linie von Langenfeld längst ausgestorben gewesen sei. Auch diese Mitteilung ist so, wie sie formuliert ist, sicherlich falsch. Denn nicht „das Geschlecht Spee“, sondern ein Angehöriger einer der Linien Spee wurde in den erblichen Grafenstand erhoben. In diesem Zusammenhang trifft der Leser übergangslos auf die Formulierung, 1536 sei ein „Edler Friedrich Spee von Langenfeld“ als Amtmann zu Kaiserswerth „belegt“. Eine Mitteilung die wiederum in dieser Form falsch ist. Was sie aussagt, ist eben nicht belegt. Friedrich Spee, der Großvater des Jesuitenpaters, wird nirgendwo als „Edler Spee von Langenfeld“ bezeichnet, in keiner Urkunde, in keinem historischen Dokument.

Rosenfeld und Ritter gehen beide sogar noch einen Schritt weiter auf diesem Weg fragwürdiger Halbwahrheiten. Sie nennen auch unseren Jesuiten Friedrich Spee einen Junker Spee. Rosenfeld apostrophiert den Jesuitenpater als „Junker vom Niederrhein“ und Ritter übersetzt die lateinische Eintragung im „Preisbuch“ des Jesuitenkollegs „nobilis et ingenuus adolescentulus“ mit „der adlige, freigebürtige Junker Friedrich Spee“ 7, was auch Keller, der dies selbst überzeugend mit „der edle, junge Schüler“ übersetzt, so für „nicht zutreffend“ erachtet

 

Schließlich schreibt Ritter erkennbar auch von Rosenfeld ab, wenn es bei ihm heißt, Peter Spee sei mit „Mechtels Dücker, Tochter d. Herrn (!) Adolf Dücker von Altenkriegenbeck und dessen zweiter Gemahlin (!) Anna von Schmiette und Nambach vermählt“ gewesen. Aus der schlichten Anna Schmidt von Wambach, wie sie uns noch bei Henrichs 1884 entgegentritt und wie ihr Name auch bei Oidtmann korrekt verzeichnet steht, wird bei Rosenfeld und Ritter mithin eine Nobilität namens Anna „von Schmiete und Nambach“ und bei

Keller schließlich eine Anna „von Schmiette von Namp(!)ach“. Hier zeigt sich, wie das auf adlige Gloriole fixierte Wunschbild verleitet, Fakten verfälscht wiederzugeben, was dann zwangsläufig zu Fehlinterpretationen führen muss.

 

Die schwierige gesellschaftliche Position, in der sich in Wirklichkeit Friedrich Spee aufgrund seiner ständisch verzwickten Herkunft befunden hat – weder ganz dem Adel zugehörig zu sein, noch eindeutig dem Bürgertum – eine Position, die manches im Charakter- und Lebensbild des Friedrich Spee vielleicht erklären könnte, ist Ritter nicht aufgegangen. Er sieht in Friedrich Spee den „Junker“, den Angehörigen einer mächtigen Adelskaste, den „ritterlichen Menschen und Edelmann“, den „Sohn eines wegen seiner Tapferkeit (?) weit und breit (?) bekannten hohen Offiziers“.

 

Es ist nur konsequent, wenn Ritter glaubt, aus seiner dezidierten Adelssicht folgern zu dürfen, Friedrich Spee habe „über weitreichende verwandtschaftliche Beziehungen, offenbar bis hin zu hochgestellten Persönlichkeiten von politischem Einfluss und Gewicht in beiden (!) Waagschalen des unentschieden schwankenden Kriegsglücks“ verfügt. „Wie alle anderen großen Familien“ hätten sich auch die verschiedenen Linien der Spees – in ihren Ästen und Zweigen ohnehin mit einem Großteil des niederrheinischen Adels, gleich ob katholisch geblieben oder protestantisch geworden, versippt und verschwägert - ihres Rückhalts an gewissen Höfen der sich bekämpfenden Parteien gewiss sein“ dürfen8.

 

In diese Richtung zielen Ritters Gedanken auch, wenn er eine Briefstelle zitiert, in der der Paderborner Weihbischof Pelcking an den Bischof von Osnabrück schreibt, der Verfasser der Cautio Criminalis, Pater Friedrich Spee habe „viele Gönner, übrigens von recht verdächtiger Sorte“. Ritter:„Ein entfernter Verwandter Friedrich Spees, an den hier zu denken gewesen (!) wäre (!), war schon nicht mehr am Leben(!): Seger Spee von Altenhof, Kurbrandenburgischer und Königlich-Dänischer Kammerherr, der auf Grund seines kalvi- nistischen Bekenntnisses zu dem enggezogenen Kreis des Berliner Hofes gehört und auf dem kurfürstlichen Hause eine junge Hofdame geheiratet hatte, war 1626 als General und Regimentskommandeur im Dänischen Heer bei der Belagerung von Hoya an der Weser gefallen. Während sein ältester Sohn unter dem besonderen Schutz König Christians zusammen mit den königlichen Prinzen im Schloss zu Kopenhagen erzogen wurde, lebte nun seine Witwe als Palastdame der Kurfürstin am Berliner Hofe. Die Kurfürstin, Ge- mahlin Georg Wilhelms von Brandenburg, war eine Enkelin Wilhelms des Schweigers von Oranien und die Schwester des vertriebenen „Winterkönigs“ Friedrich von der Pfalz – eine Wittelsbachsche Prinzessin“.

 

 

Es stellt sich angesichts derartiger Ausführungen die Frage, ob nicht Ritters Vorstellungen von der Macht kleiner Landadelsfamilien und den Verbindungen ihrer Angehörigen zu den Schalthebeln politischer und gesellschaftlicher Herrschaftsausübung an der historischen Realität vorbeizielen. Wie soll eine kalvinistische „Palastdame“ am Hofe eines kalvinistischen Herrschers – und sei sie auch so schön und klug, wie wir sie uns gerne vorstellen wollen - den politischen Gegner ihres Herrn, einen erzkatholischen Herrscher mit Hexen- verfolgungswahn dazu bringen, sich in Sachen Hexenverfolgung Mores leh- ren zu lassen von einem aufsässigen Pater, nur weil dieser Katholik der ganz entfernte Vetter dieser kalvinistischen Palastdame ist? Was würde die Dame auch zu einem derart für sie selbst gefährlichem Unternehmen haben verleiten können? Meint Ritter wirklich, irgendwer in der Bonner oder Berliner Residenz sei überhaupt mächtig genug gewesen, sich Drohgebärden gegenüber dem Jesuitenorden zu leisten, um Friedrich Spee zu schützen gegenüber einem Erzbischof Ferdinand I. von Wittelsbach, der, um die Hexenverfolgung noch zu intensivieren, 1607 und in erweiterter Form 1628 extra eine Hexenprozessordnung erlässt? Aber Ritter meint, die von Langenfeld würden es schon gerichtet haben, denn: „In ganz unmittelbaren Beziehungen zum Hau- se Wittelsbach stand Friedrich Spees engere Familie, die Spee von Langenfeld, schon seit Generationen. Noch zuletzt(!) hatte sein Großvater und sein Vater Peter von Spee im Dienste der wittelsbachischen Kurfürsten von Köln, die Herzöge von Bayern waren, hohe Ämter und Vertrauensposten innegehabt“.

 

Wieder operiert Ritter zum vermeintlichen Ruhme des Friedrich Spee mit Halbwahrheiten. Aus Küchenmeister und Amtmann werden „hohe Ämter“, deren Inhaber in ganz unmittelbaren Beziehungen „zum Hause Wittelsbach“ stehen und zwar „seit Generationen, noch zuletzt Friedrich Spees Großvater“ – wer waren jene anderen vor dem Großvater und welcher Art sollen deren enge Beziehungen zum Hause Wittelsbach gewesen sein? Und welche „Vertrauensposten“ sollen sie innegehabt haben?

 

Einmal abgesehen von der Legende, die Ritter hier strickt, um das Ansehen der Spee von Langenfeld zu überhöhen, kann man denn wirklich annehmen, daß in der Atmosphäre wahnhaften Terrors, in welcher der Wittelsbacher Fürst mit seiner Hexenverfolgung agierte, ihn der Hinweis hätte beeindrucken können, dass Vater und Großvater des aufsässigen Paters Spee seinem Fürstenhause einst als Verwaltungsbeamte zu Diensten waren?

 

Mit aller Härte, so berichtet beispielsweise Horst (a.a.O. S. 51ff.), ging Ferdinand v. Witelsbach - auch politisch – an die Beseitigung des Protestantismus und aller antikatholischen Kräfte in seinem Herrschaftsgebiet vor – und dazu gehörten eben auch Zauberer, Magier, Hexen (vgl. Horst S. 51). Der weitaus größte Teil der im Kurfürstentum Köln zu verzeichnenden Hinrichtungen von insgesamt etwa 2000 Hexen seien in die Zeit jener größten Verfolgungswelle gefallen, die Kurköln je erlebt und die unter Ferdinand v. Wittelsbach in den Jahren zwischen 1627 und 1631 stattgefunden hat (S. 52).

 

Aber Ritter sieht die Position des Friedrich Spee nicht nur durch weitreichende Beziehungen der Spee`schen Verwandtschaft abgesichert. Er meint, eine große Adelsmacht habe bereitgestanden, ihren Einfluss für Friedrich Spee aufzubieten. „Es ist auch nicht zu übersehen“, so Ritter, „dass die adligen Häuser, in denen Spee als Standesgenossen empfangen wurde und deren Mitglieder – z. B. die Imbsen, Krevet, Niehusen, Stein, Westphalen – er zeitweilig als Seelsorger betreut hat, zu den einflussreichsten Familien des Nie- derrheins und des Hochstifts Paderborn gehörten.“ Abgesehen davon, dass man zu gerne wüsste, woher Ritter weiß, dass Friedrich Spee in den Häusern der einflussreichsten Familien des Niederrheins als „Standesgenosse“ empfangen wurde, erscheint es doch etwas verwegen anzunehmen, die Wertschätzung, welche diese einflussreichsten Familien des Niederrheins Friedrich Spee entgegenbrachten, würde sie dazu veranlasst haben, ihm in der äußerst heiklen und gefährlichen Situation beizustehen, in die er sich durch die Kritik an den Hexenprozessen begeben hatte. Aber Ritter ist unbesorgt:

 

Spees Stellung im Orden war stark, denn es war immer zu befürchten, dass ein scharfes Vorgehen gegen den Verfasser der „Cautio Criminalis“ in dieser oder jener Residenzstadt beider Parteien ungnädig aufgenommen werden und der Gesellschaft Jesu Verdrießlichkeiten bereiten konnte. Unter diesen Umständen scheinen es die Ordensoberen nicht für ratsam gehalten zu haben, gerade jetzt wegen eines in der lateinischen Sprache, Fachsprache der Theologen und Rechtswissenschaftler, geschriebenen Buches Lärm zu schlagen, das nicht einmal den Verfassernamen Spees trug“.

 

Sollten aber die Gründe für das Wohlverhalten des Jesuitengenerals und seines rheinischen Provinzials Goswin Neckel gegenüber dem Autor der Cautio Criminalis nicht sehr viel mehr in deren Einsicht und Verständnis gesucht werden, als in ihrer vermeintlichen Furcht vor mächtigen Gegnern im adligen Familienclan des Spee ́schen Sorgenkindes? War da nicht sehr viel nahe liegender die Furcht, vielleicht selbst Opfer der Hexenverfolgung werden zu können? Die Ereignisse im Zusammenhang mit dem Hexenprozess gegen die Kölner Patrizierin Henot werden im Rheinland die erschreckende Erkenntnis gezeitigt haben, dass nicht einmal die Vornehmen und Mächtigen unter den Bürgern vom Terror der Hexenverfolger verschont bleiben würden. Auch Pater Goswin Neckel, den nachmaligen Ordensgeneral, den Posser 9 als „bewährten Freund“ des Friedrich Spee apostrophiert und der als Sohn des Jülicher Bürgermeisters Johan Neckel selbst aus patrizischen Verhältnissen stammte, könnte das zu denken gegeben haben.

 

 

In bemerkenswertem Kontrast zu Ritters Darstellung, wonach Friedrich Spee im Jesuitenorden gleichsam unter dem Schutzschild seiner mächtigen adligen Sippe habe agieren können, stehen schließlich seine eigenen Worte, wenn er beschreibt, was für den Pater am Ende seines kurzen Lebens seine Versetzung zum Ordenshaus in Trier bedeutet hat. Hier habe er nun Freunde und Gesinnungsgenossen gefunden. „Hier, wo er sein Noviziat begonnen hatte, fand der Gejagte nach zweiundzwanzig Jahren heimatlosen Herum- wanderns für eine kurze Frist noch Geborgenheit und Ruhe, um [...] an seinen Büchern zu arbeiten. Dass die Zeit reif geworden war, das Entscheidende über die Hexenprozesse schriftlich niederzulegen, was er in der „Cautio Criminalis“, um wirken zu können, noch nicht hatte aussprechen dürfen, kann er nach seinen Erfahrungen in Paderborn und Köln kaum angenommen haben. Es sind keine neuen Entwürfe überliefert“.

 

 

VI. Friedrich Spee von Kaiserswerth.

 

Nun wäre es gewiss ungerecht, Ritter vorzuwerfen, dass er darauf vertraut hat, die Behauptungen über die adlige Herkunft des Friedrich Spee seien urkundlich belegt. Er konnte es um so mehr, als die Legende vom adeligen Stande des Jesuitenpaters und seine Zugehörigkeit zur Linie der Spee von Langenfeld seit jeher von den Grafen Spee ausdrücklich sanktioniert worden ist, und wer, so wird der genealogische Laie wohl meinen, wäre für diese Absegnung auch besser qualifiziert gewesen.

Aber auch das Verhalten der Grafen v. Spee ist verständlich. Nicht nur, dass sie es gut gemeint haben, sie haben es sicher auch nicht besser gewusst. Adelsgenealogien sind nicht darauf ausgerichtet, alle einem Geschlecht zugehörigen Mitglieder zu erfassen. Im Kern geht es bei diesen Genealogien um die Feststellung von Rechten und Vorrechten, um Ansprüche und deren Vererbung. Wer aus der Anspruchskette herausfällt, findet grundsätzlich auch keinen Niederschlag mehr in den sonst mit Recht so bestaunten opulenten landadeligen Stammtafeln. Dass die standesbewussten Grafen von Spee den weltgeschichtlich berühmten Friedrich Spee in ihrer ohnehin glänzenden Genealogie nicht missen wollen, kann ihnen niemand verübeln.

 

Weniger verständlich erscheint, wenn entgegen der historischen Überlieferung und entgegen allen schlüssigen Argumenten ausgerechnet in Düsseldorf, wo man die stadtbürgerliche Tradition vom inzwischen eingemeindeten Kaiserswerth mitzuverwalten hat, sich Stimmen finden, die den „Friedrich Spee von Kaiserswerth“ umfirmiert sehen wollen in einen „Friedrich Spee von Langenfeld“. Sie übersehen in ihrem Übereifer, dass der Eindruck erweckt wird, die Heimat des Friedrich Spee sei nicht Kaiserswerth gewesen, sondern das bei Solingen gelegene Langenfeld!

 

So hat beispielsweise Miesen seinem Buch demonstrativ den Titel „Friedrich Spee von Langenfeld“ gegeben, obwohl ihm die Kritik an dieser Namensgebung und auch die Urkunde bekannt war, wonach Friedrich Spees Vater ein unehelicher Sohn des Junker Friedrich Spee mit seiner Magd Goune gewesen ist. Der Titel fällt besonders noch dadurch auf, dass in den Titeln der im Buch enthaltenen Beiträge der Name des Paters ansonsten korrekt schlicht mit „Friedrich Spee“ wiedergegeben wird. Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, schmückt Bucheinband und Frontispiz ein Portrait des Friedrich Spee mit gräflich-Spee`schem Wappen (ein Gemälde von Josef Hansen, Exponat Nr. 1 (!) der im Buch dokumentierten Friedrich-Spee-Austellung).

 

Dazu passt eigentlich nicht ganz, dass Miesen, wenn er Vermutungen darüber anstellt, warum nicht auch Peter Spee an dem im Buche erwähnten ritterlichen Turnier anlässlich der Düsseldorfer Fürstenhochzeit von 1595 teilgenommen hat, zu dem Ergebnis kommt, es habe vielleicht weniger daran gelegen, dass er Amtmann des Kölner Kurfürsten und somit „Ausländer“ gewesen sei, sondern eher daran, „dass er nicht über acht adelige Vorfahren, vier von Vater-, vier von Mutterseite“, verfügt habe, weil seine Mutter, also Friedrich Spees Großmutter, bürgerlich gewesen sei.

 

Wie schon für das Verhalten von Ritter konstatiert, so zeigt sich auch bei Miesen die Bereitschaft, historische Fakten falsch auszulegen, um auf diese Weise doch zu dem ersehnten Ergebnis zu kommen. Wir wollen einmal beiseite lassen, was es mit der Zahl von 8 (?) adligen Vorfahren auf sich hat, jedenfalls nennt Miesen Friedrichs Großmutter väterlicherseits „bürgerlich“, obgleich sie mitnichten eine bürgerliche Standesperson war, sie gehörte, wie schon festgestellt, als Magd zur städtischen „Unterschicht“, und sie ist, was Miesens Formulierung ebenfalls unterschlägt, nicht einmal die Ehefrau des Junkers Friedrich Spee gewesen. Was er für diese Großmutter väterlicherseits zu bedenken gibt, hätte von ihm also allenfalls für die Großmutter müt- terlicherseits, für Anna Dücker geb. Schmidt, geltend gemacht werden können.

 

Wie sehr Miesens Phantasie von der Vorstellung, Friedrich Spee sei ein Adliger gewesen, beflügelt wurde, zeigt auch sein im Katalogteil des Buches enthaltener Kommentar zum Brief von Pater Friedrich Spee an die drei Fräulein von Stein aus 1628 10. Miesen berichtet hier von Religionsgesprächen des Paters mit den jungen Damen und davon, dass sie ihn beim Abschied gebeten hätten, was er über den Glauben geäußert habe, ihnen auch schriftlich mitzuteilen. Daraus glaubt Miesen schließen zu dürfen, Spees „adlige Erscheinung“ und sein vornehmes, aber bestimmtes Auftreten müsse einigen Eindruck auf die Damen gemacht haben. Mit Sommers Worten, die in dem in Rede stehenden, von Miesen herausgegebenem Buche enthalten und pikanterweise speziell auf Miesen gemünzt sind, wollen auch wir dessen Art, gesicherte Fakten auszumalen, einer Phantasie zugute halten, die „mit so viel von der Liebe zum Beschriebenen“ beflügelt (S. 24) wurde.

 

 

 

VII. Kellers Beweis

 

 

Speziell und mit wissenschaftlichem Anspruch ist auf die Kritik an den einen adeligen Stand implizierenden Zusätzen zum Namen des Friedrich Spee bisher nur Karl Keller eingegangen11. Er kommt zwar nicht zu einem eindeutigen Ergebnis, stellt aber vorab klar, dass „eine Einheitlichkeit in der Namensbezeichnung in der Zukunft angestrebt werden“ sollte (Hervorhebung durch Keller selbst!). Das ist eine wichtige, begrüßenswerte Feststellung. Der Düsseldorfer Stadt-Archivar Prof. Dr. Weidenhaupt war leider nur bedingt dieser Auffassung. Er holte sich zwar bei einem ausgewiesenen Adels-Genealogen extra Auskunft ein, ob die Behauptung des Verfassers zutreffe, die Bezeichnung „Friedrich von Spee-Straße“ in Düsseldorf“ gebe den Namen des Jesuitenpaters nicht korrekt wieder, meinte aber, als ihm das bestätigt wurde, der Straßenname brauche trotzdem nicht geändert werden, allerdings kündigte er an, in Neuauflagen seiner hervorragenden „Kleinen Geschichte der Stadt Düsseldorf“ künftig den Namen des Paters korrekt mit Friedrich Spee wieder- zugeben.

 

Keller verwirrt den Leser mit dem merkwürdigen Eingeständnis, auf die Frage, ob in der Literatur zu Recht von „Peter von Spee“ gesprochen worden sei, könne er „zur Zeit“ noch keine Antwort geben. Gleichwohl kritisiert er Ritter, der ihm geradezu „fixiert“ zu sein scheine auf „Friedrich von Spee“, was ihn wohl dazu verleitet habe – wahrscheinlich unbewußt - sogar bei der Zitierung der textkritischen Spee-Ausgabe der Trutznachtigall durch Theo van Oorschot, der übrigens konsequenterweise nirgendwo „von“ zum Namen gesetzt habe, fälschlicherweise „Friedrich von Spee“ zu schreiben.

 

Auf den entscheídenden Punkt, dass der Name Spee aus sprachlichen Gründen kein „von“ verträgt und deshalb tatsächlich auch nicht mit einem „von“ ursprünglich verbunden worden ist, geht Keller überhaupt nicht ein. Stattdessen verweist er auf von ihm unternommene Versuche, darzulegen, dass die ursprüngliche Herkunftsbezeichnung „von“ erst von der Mitte des 17. Jahrhunderts an zur Kennzeichnung der adligen Herkunft wie z. B. v. Spee, v. Dücker in Gebrauch gekommen sei. Hier wäre aber auch die Bedeutung des Wörtchens „zu“ zu erörtern gewesen, das ja sehr viel eindeutiger erkennbar macht, dass mit dem folgenden Ortsnamen ein rittermäßiger Stammsitz gemeint ist. Diese Bedeutung des Partikels „zu“ hat nämlich ursprünglich auch das Wörtchen „von“ im Zusammenhang mit Herkunftsnamen.  Dementsprechend, werden beispielsweise Nachfahren der Spee zu Langenfeld, die infolge Erbschaft oder Heirat auf andere Güter überwechselten, folgerichtig nunmehr in Genealogien nach dem neuen Stammsitz benannt (vgl. Oidtman).

 

Um nun für Friedrich Spee den Beinamen „von Langenfeld“ zu rechtfertigen, bemüht sich Keller um den Nachweis, dass Friedrich in lückenloser Abfolge von jenem Johann Spee abstammt, der 1356 als erster urkundlich nachweisbar den nahe bei Wankum gelegenen Hof Langenfeld als Lehen vom Grafen von Holland erhalten hat. Keller beginnt seine Untersuchung aber nicht etwa mit Pater Friedrich Spee, dem Probanden, um über dessen Eltern, Groß- und Urgroßeltern schließlich vielleicht zu den Lehnsträgern von Haus Langenfeld zu gelangen, sondern geht in entgegengesetzter Richtung vor, beginnend mit dem vermeintlichen Stammvater Johann Spee von Langenfeld. Auf diese Weise kommt er bis zum Jahre 1532, wo Cornelia Spee zu Langenfeld stirbt und der Besitz an „Haus Langenfeld“ auf eine andere Familie übergeht. Sie war also die letzte der Spee „zu“ Langenfeld. In fetten Lettern gedruckt stellt Keller, sichtlich mit Genugtuung, fest: „Soweit kann also nunmehr die genealogische Abfolge von 1326 bis 1532 in sich geschlossen konstatiert werden“.

 

Was aber ist mit diesem Sachstand tatsächlich gewonnen? Ob möglichenfalls noch existierende Nachfahren der „Spee von Langenfeld“ auch nach Aufgabe des Stammsitzes sich weiterhin „Spee von Langenfeld“ nennen konnten, diese nahe liegende Frage stellt sich für Keller leider nicht. Als „Spee zu Langenfeld“ wären sie doch wohl nicht mehr zu bezeichnen gewesen. Um den Namen v. Langenfeld zu rechtfertigen, wäre jedenfalls Rittermäßigkeit Voraussetzung gewesen.

 

Als beispielsweise Adolf Dücker, der Schwiegervater von Amtmann Peter Spee 1591 verstarb, erhielt sein ältester Sohn die Hälfte des väterlichen Gutes und vorab Haus, Hof und Gebäude, und allein bei seinem Erbe verblieb die Rittermäßigkeit.12

 

Dass die Kaiserswerther Spee nicht „von Langenfeld“ genannt wurden, bzw. sich selbst nicht so genannt haben, könnte also auch die Konsequenz aus dem Verlust des Stammsitzes gewesen sein. Aber derartige Überlegungen entsprechen natürlich nicht dem Forschungsziel, das Keller sich gesetzt hat, nämlich den Beweis zu führen, dass dem Namen Friedrich Spee zu Recht der Zusatz “von Langenfeld“ beigeben werden dürfe.

 

Diesen Beweis, meint Keller, habe er mit seinen Annahmen und Vermutungen bereits geführt. Aber auf sie kommt es eben überhaupt nicht an. Man kann getrost davon ausgehen, dass der Spee-Ast zu Kaiserswerth aus der Linie von Langenfeld hervorgegangen ist. Es lässt sich auch sagen, dass Friedrich Spee dieser Linie von Langenfeld entstammte. Aber damit macht man den Friedrich selbst immer noch nicht zu dem Adligen, als den Keller ihn gerne sehen möchte. Und nicht etwa deshalb nicht, weil seine Großmutter eine „Bürgerliche“, sondern weil sein Vater das uneheliche Kind einer Magd war.

 

Es ist eine der Merkwürdigkeiten in seinem Vortragstext, dass Keller behauptet, Karl-Jürgen Miesen habe „neuerdings“ 13 darauf hingewiesen, dass nach den Vermerken in den Spee-Akten des Hauptstaats-Archivs Düsseldorf „Friedrich Spee (der Großvater) nicht mit einer ritterbürtigen Dame, sondern mit einer ihm dienenden Magd aus Kaiserswerth Kinder (darunter auch Friedrich Spees Vater Peter)“ gehabt habe. Belehrend fügt er hinzu, dem müsse noch nachgegangen werden. Weder aber hat es eines solchen Hinweises durch Miesen bedurft, noch ist es nötig, den ominösen „Vermerken in den Spee-Akten nachzugehen“. Der Sachverhalt ist bekannt und wurde schon von Fahne erwähnt, lag auch älteren von Keller selbst zitierten Darstellungen zugrunde, und schließlich ist er auch durch Urkunde (Stift Kaiserswerth Nr. 592) des Stifts Kaiserswerth (HstArch Ddf; veröffentlicht Kelleter, U Nr. 610 Urkundenbuch Stift Kw) eindeutig belegt.

 

Dass Keller aus unerfindlichen Gründen die Schwiegermutter des Peter Spee, also des Friedrich Spee Großmutter, statt „Anna Schmidt von Wambach“, wie sie bei Henrichs heißt (a.a.O., S. 185), „Anna von Schmiettte von Nampach“ nennt, wurde oben bereits erwähnt.

 

Schließlich zieht Keller sich mit seinem non liquet zwar geschickt aus der Affäre, stellt aber zugleich auch den Wert seiner von dem verdienstvollen Vorsatz des „sine ira et studio“ getragenen Forschungsarbeit in Frage. Denn alle von ihm erforschten Zusammenhänge und alle vorgebrachten genealogischen Argumente sind bedeutungslos, weil Friedrichs Großmütter keine „ritterbürtigen Damen“ waren, sondern die eine eine Bürgerliche und die andere eine unverheiratete „dienende Magd“. Die Sachlage ist damit nun so, dass – um Kellers eigene Formulierung hier zu gebrauchen – wenn er dieses anzweifelt, er seinerseits „den Gegenbeweis liefern muß“.

 

 

 

 

VIII. Johann Spee von Kaiserswerth

 

 

Die in Kaiserswerth urkundlich in Erscheinung tretenden Namensträger Spee bilden einen eigenen Ast des weit verzweigten Gesamtgeschlechts Spee. Als Stammeltern dieses Astes könnten, wie auch Keller annimmt, die Eltern des 1519 in den Kölner Universitätsmatrikeln eingetragenen Studenten „Goswin Spede de Kaiserswerth“ anzusehen sein. Der Ast hätte demzufolge irgendwann vor 1500 in Kaiserswerth seinen Anfang genommen. Erloschen ist er nicht etwa 1635 mit dem Tode des Paters Friedrich Spee. Bereits Strange weist 1848 in seinen Beiträgen zur Genealogie der adligen Geschlechter 14 auf Urkunden hin, wonach noch 25 Jahre nach dem Tode von Pater Friedrich Spee ein Kaiserswerther Kanoniker gleichen Namens gelebt hat. Und auch dieser Friedrich Spee, der lt. Urkunde des Kaiserswerther Stifts am 1. Januar 1671 15 im Herrn entschlafen ist, dürfte nicht der Letzte des Kaiserswerther Astes der Spee gewesen sein.

 

Die uns bislang zur Genealogie der Kaiserswerther Spee überlieferten Daten sind allerdings äußerst dürftig. Wir wissen beispielsweise zwar durch Notizen bei Fahne16 und Oidtman17, dass der Kaiserswerther Zöllner Friedrich Spee ein Bruder des Kaiserswerther Amtmannes Peter Spee gewesen ist, dass er verheiratet war und Kinder hatte, wir wissen aber nicht, wie die Frau hieß, wir kennen auch weder die Namen der Kinder noch ist uns ihr Schicksal bekannt. Von Maria, der Schwester von Amtmann Peter Spee, erfahren wir durch Fahne zwar, daß sie Nonne zu Marienburg in Neuß wurde. Das Schicksal der weiteren Geschwister Helwig und Drutgen (= Gertrud) liegt dagegen völlig im Dunkeln. Auch bleibt uns verborgen, wo Hans Adolf und Arnold Spee, die Brüder von Pater Friedrich Spee, verblieben sind. Rosenfeld und Ritter erwähnen nur, dass sie wie ihr Bruder Friedrich das Kölner Drei-Königs-Gymnasium besucht haben, belassen es aber bei dieser Mitteilung. Auch über jene Sibilla, die in Oidtmans genealogischen Notizen zusätzlich als Friedrich Spee`s Schwester erwähnt wird, fehlt jede weitere Nachricht, so wie von jener Anna (Entgen) Spee, die dem St. Suitbertus-Stift im Jahre 1616 ein Dar- lehn von 100 Goldgulden gibt und sich zur Sicherheit die Hälfte eines Grundstücks verpfänden lässt, dessen andere Hälfte bereits Mechtelt Dücker, der Witwe des Amtmanns Peter Spee verpfändet wurde18. Am 20. Sept. 1636 ist sie gestorben19. Abgesehen von Friedrich und Peter Spee ist laut Vermerken in den Kaiserswerther Stadtprotokollbüchern auch ein Robert Spee Amtmann zu Kaiserswerth gewesen20 und zwar 1602. Aber Näheres wissen wir auch über ihn nicht. Und wer die Geschwister des Kanonikers Friedrich Spee gewesen sind, ist nicht minder rätselhaft. Von dem Kaiserswerther Kanoniker Friedrich Spee ist uns immerhin durch eine Zeichnung des Heraldikers Pagenstecher sein mit dem Spee`schen Hahnen-Wappen geschmücktes Siegel überliefert21, was insofern noch besondere Beachtung verdient, als wir bei Oidtman22 die Vermutung finden, der Kanoniker sei ein Neffe des Jesuitenpaters gewesen!

 

Das eigentümliche Dunkel um die Genealogie einer Familie, die doch zweifellos ihre Wurzeln in einem alten weitverzweigten niederrheinischen Landadelsgeschlecht hat, ist sicher auffällig und bemerkenswert. Vielleicht haben hier Ehen eine Rolle gespielt, die aus Sicht des Landadels nicht standesgemäß waren.

 

Machen wir mit dem oben erwähntem Namensvetter von Pater Friedrich Spee, dem Kaiserswerther Kanoniker Friedrich Spee, die Probe aufs Exempel. Er wird in keinem Stammbaum erwähnt! Allein Oidtman äußert, wie erwähnt, in einer Notiz die Vermutung, er sei wohl ein Neffe von Pater Spee gewesen. Einem anderen Hinweis von Oidtman ist zu entnehmen, dass der Kanoniker Spee 1690 von seinem Mitkanoniker Johann Heinrich Bilderbeck in dessen Testament als sein Oheim angesprochen wird. Zugleich mit seinem Neffen Johann Friedrich Spee setzt ihn der Testator zum Erbe seiner Immobilien ein. Das Testament gibt uns so einen ersten konkreten Anhaltspunkt für die Suche nach Versippungen der Spee`schen Linie zu Kaiserswerth mit bürgerlichen Familien. Denn die Bilderbecks sind zwar ursprünglich eine alte Landadelsfamilie gewesen, aber das hier jetzt fehlende „von“ im Namen zeigt den bereits erfolgten Übergang ins städtische Bürgertum an. Eine Durchsicht der Ratsherren-Liste von Kaiserswerth zeigt uns, dass 1630 ein Friedrich Bilderbeck – vielleicht der Vater des oben als Testator genannten Kanonikers Johan Heinrich Bilderbeck? - Bürgermeister zu Kaiserswerth gewesen ist!

 

Aufschluss über die Herkunft des Kanonikers Friedrich Spee vermitteln uns schließlich die Akten eines Gerichtsverfahrens, das bis zum Reichskammergericht geführt wurde. Es war bislang nicht bekannt. Dem Verfahren lag die Klage des Düsseldorfer Bürgermeisters Wilhelm Lauff gegen den Ratinger Bürgermeister Jacob v. Pempelfort zugrunde. Wilhelm Lauff führte den Prozess im Namen seiner Ehefrau Kaspara v. der Hees gnt. Happerschoß gegen den Beklagten als ihren früheren Vormund. Auf den Gegenstand der Klage brauchen wir hier nicht weiter einzugehen.

 

v. Pempelfurth

Bedeutsam ist für uns nur, dass der Kaiserswerther Kanoniker Friedrich Spee und der genannte Friedrich Bilderbeck als Nachfahren der zweiten Ehefrau des Beklagten von der Klage mit betroffen sind und wir den Akten des weiteren entnehmen können, dass der Kanoniker Spee wie auch seine Geschwister Kinder eines Ehepaares Johann Spee und Elisabeth v. Pempelfort gewesen sind. Letztere war eine Tochter des beklagten Ratinger Bürgermeisters Jacob von Pempelfort und dieser wiederum ein Sohn des Ratinger Bürgermeisters Reinhard von Pempelfort. Es hat den Anschein, dass dieser Johann Spee mit jenem Hans (=Johann) Adolf identisch ist, der als Bruder des Friedrich Spee bekannt ist. Das würde auch Oidtmans Vermutung stützen, der Kanoniker Spee sei „ein Neffe des Jesuiten“ gewesen. Wir können jedenfalls konstatieren, daß es in Kaiserswerth einen Johann Spee gegeben hat, der als Angehöriger der Spee ́schen Linie zu Kaiserswerth in eine alte Düsseldorfer bzw. Ratinger Patrizierfamilie hineingeheiratet hat, also in eine wenn auch stadtadelige, so doch eindeutig bürgerliche Familie und daß der 1657 im Jahr seiner Wahl zum Bürgermeister von Kaiserswerth23 verstorbene Friedrich Bilderbeck ein Schwiegersohn des Johann Spee von Kaiserswerth und ein Schwager des Kaiserswerther Kanonikers Friedrich Spee war.

 

Was die Ratinger Bürgermeisterstochter Elisabeth Spee geb. von Pempelfort anbelangt, wäre noch anzumerken, dass Winand von Pempelfort, offenbar ein Verwandter von ihr, Kanoniker am Kaiserswerther Suitbertus-Stift gewesen ist. Am 12. Mai 1603 begegnen wir ihm in der Düsseldorfer Stiftskirche als Pate von Conrad, dem Sohn von Johan von Pempelfort und Maria Henseler. Die anderen Paten sind der Vater der Kindesmutter, Conrad Henseler, vertreten durch den fürstlichen Sekretär Jacob Koppertz und Margaretha Weiers gnt. Weyerstraß. Vielleicht weist auch der Name Henseler auf weitere Bezüge zu Kaiserswerth hin. Er könnte mit dem Namen Hanxler, Hansler identisch sein (vgl. weiter unten bei „Burggrafenfamilie Hanxler“.)



IX. Die Zöllnerfamilien Lommessem, Rensingh, Virmund und Spee

 

 

Nun wäre aus dem näheren verwandtschaftlichen Umfeld des Paters Friedrich Spee eigentlich noch sein Onkel, der Kaiserswerther Zollschreiber Friedrich Spee24 genealogisch unter die Lupe zu nehmen.

 

Über ihn wissen wir allerdings nur, dass er ein Bruder des Kaiserswerther Amtmannes Peter Spee war und 1588 im Sterben lag, wodurch Frau und Kinder in finanzielle Bedrängnis zu geraten drohten. Von Peter Spee stellten wir fest, er sei kein Adeliger gewesen. Auch für den Zollschreiber Spee dürfte das gelten. Steht dieser Annahme etwa die gesellschaftspolitische Bedeutung der Zollschreiberfunktion entgegen? Wie stellt sich die ständische Position der Kaiserswerther Zollbeamten und der ihnen vergleichbaren Beamten dar? Dieser Frage nachzugehen bietet sich um so mehr an, als zwischen den Beamten erfahrungsgemäß wechselseitig familiäre Verbindungen bestanden haben.

 

Zu denken ist hier zunächst an den Kaiserswerther Zöllner Wilhelm Rensing. Er wurde um 1564 in Kaiserswerth geboren, war also, als der Zöllner Friedrich Spee 1588 im Sterben lag, 24 Jahre alt und dürfte damals gerade sein Amt als Rhein-Kommissar, vielleicht sogar als Nachfolger des Friedrich Spee, angetreten haben. Verheiratet war er mit Christine Schaaf, was uns leider nicht viel sagt, da wir über die Familie Schaaf keine Nachrichten sonst haben. Dafür ist aber die Genealogie der Rensings ansonsten recht gut erforscht. Sie waren ein altes, aus Dorsten stammendes Geschlecht, zwar vielfach versippt mit dem Landadel, aber doch in ihrer sozialgenetischen Substanz eindeutig patrizischen Charakters. Nicht zuletzt auf die Rensings ist es gemünzt, wenn es bei Oidtman in Bezug auf eine Linie der Grafen v. Westerholt heißt, sie sei „von der Uralten Edeler undt stifftsmesicher Familia, welche sich aber ahn Patriziat geheyraht und nunmehro Patritiat in allem sich aufführt“ (Bernhard v. Westerholt, Burggraf zu Westerholt, † 1620, war verheiratet mit Agatha Rensing, Erbin zu Wilbrink, Tochter von Vincent R. und Elisabeth v. Knip- ping). Wilhelm Rensings ältester Sohn Gerhard, der seinem Vater im Amte des Rheinkommissars nachfolgt, heiratet 1625 Christine v. Virmund, Tochter von Friedrich v. Virmund (1642-1658), Zollinspektor und Schultheiß zu Kaiserswerth. Ihr Bruder ist der kurkölnische Licentschreiber zu Kaiserswerth Johann Conrad v. Virmund (1652-1682). Damit werden hier also enge verwandtschaftliche Beziehungen zwischen zwei typisch Kurkölnisch-Kaiserswerther Zöllner-Familien deutlich. Und wie hinsichtlich der Grafen v. Westertholt mit Bezug auf die Rensings oben berichtet, so handelt es sich auch bei den jetzt in Rede stehenden Angehörigen des Geschlechts Virmund25 ebenfalls um „eine Linie von der uralten Stifftsmesigen nun mehro Gräfflichen Familie: welche sich an die Patritios geheyraht und nunmehro Patritiat ist“. Es ist also nur folgerichtig, wenn sich an Hand von Eintragungen im Kirchenbuch von St. Suitbertus Kaiserswerth feststellen läßt, daß die Kinder des Zollinspektors Friedrich v. Virmond ausnahmslos in bürgerliche Familien einheiraten. Der bereits erwähnte Bruder von Christine Rensing geb. Virmund, Johann Conrad v. Virmond, hatte eine Johanna Freischbach (-beck) zur Frau und von seinen anderen Schwestern war Anna Gertrud mit Johann (v.) Holt- hausen, Elisabeth mit dem Richter zu Ratingen Gotfried Ningelgen, und Maria mit dem Kaiserswerther Zöllner und Schultheißen Johan Conrad v. Lommessen (Lommersheim) verheiratet. Von den v. Holthausen wissen wir, daß sie mehrfach dem Rat der Stadt Düsseldorf angehörten und die aus altem Münstereifeler Ratsherrengeschlecht stammenden v. Lommessem26 begegnen uns als nunmehr drittes Beispiel für eine patrizische, also bürgerliche Herkunft von untereinander versippten kurkölnisch-Kaiserswerther Zöllnerfamilien.

 

Verwandtschaftliche Verbindungslinien der Rensings weisen auch nach Düsseldorf hin. Catharina Rensing, die Schwester des Kaiserswerther Zollinspektors Gerhard Rensing, ehelicht den herzoglich-Bergischen Zöllner zu Düsseldorf Arnold von den Boslar und Gerhard Rensings Nichte Christine heiratet den Düsseldorfer Patrizier Arnold v. Lohausen (Losen), Pächter des Düsseldorfer Hafenkrans.

 

 

X. Die Kaiserswerther Burgrafenfamilie Hanxler

 

Nun hatten die Vorfahren des Zöllners Spee, sein Vater Peter und sein Großvater Friedrich Spee, neben dem Amt des Kaiserswerther Amtmannes auch das Amt des Burgvogten zu Kaiserswerth bekleidet. Dass auch dieses Amt nicht nur von Adligen versehen worden ist, wird an dem Burgvogten Caspar Hanxler (1619 – 1664) deutlich. Zweiffellos entstammte dieser Burgvogt dem Landadelsgeschlecht v. Hanxler zu Burg. Es ist gewiss kein Zufall, dass die in seinem Testament aus dem Jahre 1659 genannte Nichte Margareta als Schwester im Kloster zu Rath bezeichnet wird, denn dort in Rath, im Amt Angermund, war auch der damals im Besitz der Familie v. Hanxler sich befindende Adelssitz „Alte Burg“ gelegen. Der Burgvogt nennt sich aber selbst schlicht Kaspar Hanxler, nichts deutet auf einen adeligen Stand hin. Dem Testament zufolge27, zu Testamentsvollstreckern werden der Kaiserswerther Zöllner Johann Conrad Lommessem und der Kaiserswerther Schultheiß Johan Paul Schöler ernannt) war er 1659 Witwer der Henrica Beyssels. Wie bei ihm selbst, so fehlt auch bei seiner vormaligen Ehefrau Beissel jeglicher Hinweis auf einen adligen Stand. Der Name Beissel gibt allerdings Anlass, eine Herkunft vom Landadelsgeschlecht „von Beissel zu Gymnich“ zu vermuten, wofür zusätzlich sprechen mag, dass wir dem Namen „von Gymnich“ im Zusammenhang mit dem Namen der Kaiserswerther Ratsfamilie Breitgraf begegnen. Dem Vermerk im Kirchenbuch von St. Suitbertus Kaiserswerth über die Taufe der Gertrud Christine Breitgraf, Tochter des Johan Breitgraf, am 28. Februar 1683 lässt sich nämlich entnehmen, dass ihre Mutter eine geborene Elisabeth von Gimmenich gewesen ist. Zu ihren Paten zählte übrigens eine Gertrud Spee. Vielleicht verdient auch erwähnt zu werden, dass ihr Vater Johan Breitgraf 1686 Gertrud Munekes heiratet, deren Name hier insofern auffällt, als „Clarissimus Dominus Kaspar Hanxler“ lt. Kirchenbuchnotiz vom 16. Juli 1656 zur Zeit der Erstellung seines Testaments in zweiter Ehe mit einer Maria Munichs verheiratet war, welche nach dem Tode des Burggrafen28 den Kaiserswerther Schöffen und Ratsherrn Conrad The Neden ehelicht.

 

Weitere Hinweise auf verwandtschaftliche Verbindungen der landadeligen Familie von Hanxler mit bürgerlichen Familien lassen sich Oidtmans genealogischen Notizen entnehmen. Dort heißt es, Johan Heinrich v. Hanxler zur Burg habe eine Catharina „Noitberg“ aus Düsseldorf geheiratet. Da Oidtman Catharinas Namen auch mit dem in Düsseldorf unbekannten Namen „Rotberg“ angibt, könnte der Eindruck entstehen, Johann Friedrich v. Hanxler habe eine aus einfacheren Verhältnissen stammende, unbekannte Bürgerliche geheiratet. Die Familie v. Notberg, um die es offensichtlich aber geht, genossß jedoch in Düsseldorf hohes Ansehen. Die erste Namensnennung Notberg in den Kirchenbüchern von St. Lambertus betrifft die für den 26. August 1605 verzeichnete Taufe von Anna, Tochter von Peter und Druthghen (Gertrud) v. Notberg. Die Patinnen Catharina Dussberg gnt. Wendels und Clara Schöller, Ehefrau des Bürgermeisters Siger Lohausen (Losen), gehörten beide dem Düsseldorfer Patriziat an. Zur Familie zählte auch der Rhein- zoll-Beseher Matthias v. Notberg, 1657 Ratsherr der Stadt, von 1662 bis 1701 Mitglied des städtischen Schöffengerichts, 1679 Bürgermeister, 1684 Rentmeister. Er war in erster Ehe verheiratet mit Clara Blaren. Deren Bruder, der Hofrat Adolf Blaren, hatte Catharina Rensing, die Witwe des Herzoglich- Bergischen Rhein-Zöllners zu Düsseldorf Arnold v. den Boslar zur Frau. Catharina Rensing ist, wie oben erwähnt, eine Tochter des Kurkölnisch-Kaiserswerther Rheinzöllners Wilhelm Rensing gewesen. Bei der Taufe von Gertrud, Tochter aus der Ehe Notberg-Blaren 1645 waren Paten: Paulus Schnitzler (oo Gertrud v. Notberg, T. v. Anton v. Notberg), Gertrud Schiffmacher und Christine (v.) Lohausen geb. Rensing.

 

In den Düsseldorfer Kirchenbüchern ist die Heirat Hanxler-Notberg nicht verzeichnet. Dafür könnte sich aber die Eintragung vom 31. März 1636 im Tauf- buch von St. Lambertus Düsseldorf, wonach das Ehepaar Johannes und Tringen (= Cathrinchen) Honseler ihre Tochter Gertrud taufen lassen, auf das Ehepaar Johann Friedrich Hanxler und Catharina Notberg beziehen. Denn als Patin ist neben Gertrud Kranenberg und Adolf Bruns eine Gertrud Notberg benannt. Aufschlussreicher ist aber, dass lt. Oidtman Odilia Catharina, eine Tochter des Ehepaares Hanxler-Notberg, den Gerichtsschreiber zu Miseloe Johann Sigismund Schlimmer (Schlemmer) geheiratet hat, eine weitere bürgerliche Liaison also im ursprünglich landadeligen Hause Hanxler.

 

Im Übrigen ist zu bedenken, dass der Name Hanxler offenbar in den verschiedensten Abwandlungen gebräuchlich gewesen ist. Merkwürdig ist schon die Namensform Hanxleden, bei Fahne auch: Hanxler gnt. Hanxleden, aber ebenso Hangschede und Hangelscheidt. Einsichtiger wirken die Formen Hansler, Honsler und Hensler für Hanxler. Fahne29 lässt hinsichtlich der Herkunft der Kölner Patrizier Henseler ausdrücklich offen, ob sie von den v. Hanxler oder von den v. Honseler abstammen, da sich beide auch Henseler geschrieben hätten. Ergänzend teilt Fahne 30 allerdings mit, die Henseler seien mit den Honseler eines Stammes, sie führten ebenfalls die drei Vögel im Wappen.

 

Hier interessiert die Ehe (1616) zwischen Agnes Henseler und Wilhelm Rensing zu Köln. Ketten 31 zeigt für die Großeltern Henseler-Stommels ein Wappen mit goldener Gleve in blauem Feld. Da stellt sich die Frage, ob es sich nicht in Wirklichkeit um einen goldenen Maueranker in blauem Feld gehandelt hat. Diese Verwechslung wäre leicht zu erklären.

 

Schließlich ist es gewiß auch nicht zu weit hergeholt, in den Kaiserswerther Ratsherren Honsler Nachfahren der v. Hanxler zu vermuten.32

 

Sollte sich also nun bei weiteren Nachforschungen ergeben, dass die Ehefrau des Kaiserswerther Zöllners Friedrich Spee eine „Bürgerliche“ war, befände er sich jedenfalls in guter Gesellschaft nicht nur mit seinen Kollegen Rensing, Lommessem und Virmund, sondern auch mit dem Kaiserswerther Burgvogt Capar Hanxler.

 


XI. Kreuzbruder Johann Friedrich Spee zu Düsseldorf

 

Wer im Kirchenbuch von St. Suitbertus-Kaiserswerth blättert und nach Stellen sucht, wo der Name Spee aufscheint, wird beispielsweise bei der Taufeintragung vom 6. Juni 1670 fündig. Dort wird unter den Paten des Täuflings Fride ricus Schmitz der Eximi(us) Dominus Fridericus Spee Decanus genannt und zweifellos handelt es sich um den uns schon gut vertrauten Kaiserswerther Kanoniker Spee. Wer nun aber weiterblättert und auf den Taufvermerk vom 28. September 1681 stößt, wo unter den Paten des Täuflings Remboldus Fridericus Schramm wiederum der Name Friedrich Spee sich findet, kann deshalb nun nicht etwa davon ausgehen, auch hier handle es sich wieder um unseren Kanoniker. Denn der war zu dem Zeitpunkt schon lange tot. Er verstarb bereits am 1. Januar 1671.33 Hier muss es sich also um einen anderen Friedrich Spee gehandelt haben und nur der im Zusammenhang mit dem Testament des Kanonikers Johann Heinrich Bilderbeck schon erwähnte Johann Friedrich Spee kann in dieser letztgenannten Eintragung gemeint gewe- sen sein. Dass er gelegentlich einfach Friedrich Spee genannt wurde, lässt sich der Akte „Düsseldorfer Kreuzbrüder. 9.4“ im Bestand des Landesarchivs NW entnehmen.

Pickartz

In der Akte werden rechtliche Auseinandersetzungen behandelt, die im Zusammenhang standen mit dem Eintritt des Johann Friedrich Spee ins Kloster der Düsseldorfer Kreuzbrüder. Auf sie brauchen wir hier nicht näher einzugehen, wohl aber interessieren uns die in Erscheinung tretenden verwandtschaftlichen Zusammenhänge zwischen dem Kreuzbruder Johann Friedrich Spee und den in der Akte genannten Personen. So wird sein Vater Otto Ludwig Spee benannt und seine Mutter, deren Name wir hier versuchsweise mit Anna Maria Lindbeck? zu entziffern versuchen. Sein Vetter, der „wol Edle und hochvornehme“ kurfürstliche Oberkellner Johann Gottfried Pickartz spielt eine bedeutsame Rolle in den protokollierten Vorgängen, auch seine Nichte Marie Cordula Pickartz: sie war 1680 in erster Ehe mit dem kurfürstlichen Vogt des Amtes Monheim Johann Reiner verheiratet, in zweiter Ehe 1688 mit dem jülichbergischen Staatssekretär Peter Gottfried von Viersen. Die deutlich werdenden familiären Verhältnisse weisen also nicht auf landadeliges Umfeld hin, sondern sind von typisch patrizischem, also stadtbürgerlichem Charakter. Johann Friedrich Spee siegelt mit dem Spee ́schen Hahnen-Wappen. Es siegeln ferner Oberkellner Pickartz und Michael Wilhelm Pickarts. Mitunterzeichner sind Petrus Heithausen, Prior Mstria, und Adolphus Eiffers, Supprior, sowie die Fratres Wilhelm Losen (Lohausen), Franciscus Sigers, Wilhelmus Bernsau, Godefrdus Scholl und Paulus Keuten (ut deputatus).

 

XII. Gertrud Spee v. Kaiserswerth

 

Dem Kaiserswerther Ast des Geschlechts Spee wird auch jene Gertrud Spee zuzurechnen sein, die lt. Kirchenbuch von St. Suitbertus Kaiserswerth mit ihrem Ehemann Stephan Breitgraf in den Jahren 1681, 82 und 84 ihre Töchter Anna Catharina, Gertrud Elisabeth und Catharina Elisabeth taufen lässt. Die Breitgrafs zählen in jener Zeit zur Oberschicht der Kaiserswerther Bürgerschaft. Den mit Elisabeth v. Gymnich verheirateten Johan Breitgraf erwähnten wir bereits im Zusammenhang mit Elisabeth Hanxler geb. Beissel. Gerhard Breitgraf, offenbar ein Bruder des Johan, hatte eine Gertrud Kaup zur Frau und seine Schwester Maria Breitgraf war die Ehefrau des Pächters auf dem Töllershof (Hof des Zöllners) in Wittlaer Peter v. Lohausen.

 

Adolf Breitgraf heiratet 1698 Maria Catharina Bergfeldt. In seinem Testament v. 1741, wo er als ältester Bürgermeister und Schöffe des Stadtgerichts von Kaiserswerth bezeichnet wird, bedenkt er, weil selbst kinderlos, die Kinder seiner Geschwister Stephan, Gerhard und Maria, sowie seine zwei Nichten zu Düsseldorf Regina und Anna Elisabeth Bergfeldt.

 

In den Jahren 1683 und 1684 wird in den Kaiserswerther Kirchenbuchnotizen verschiedentlich eine Gertrud Spee auch als Patin genannt. Hier handelt es sich aber wohl nicht um die Ehefrau des Stephan Breitgraf.

 

 

XIII. Peter Spee zu Düsseldorf

 

Noch ehe es in Kaiserswerth zur Verbindung der Familien Breitgraf und Spee kommt, heiratet in Düsseldorf 1673 Jodocus Spee eine Catharina Breitgraf. Der für die Spee`sche Familientradition ungewöhnlich wirkende Vorname Jodocus könnte auf eine Patenschaft des Kaiserswerther Kanonikers Johannes Jodocus Lommessem zurückzuführen sein. Aber wenn wir auch, was die Herkunft des Jodokus Spee anbelangt, auf Vermutungen angewiesen bleiben, so weist doch allein schon die Verbindung mit der Familie Breitgraf ein-deutig auf Kaiserswerth hin. Bei der Taufe von Tochter Anna Gertrudis im Jahre 1676 finden wir denn auch inder Kirchenbuchnotiz von St. Lambertus Düsseldorf neben Gertrud Agnes Plum und Anna Gudula Naas den Kaiserswerther Vikar (St. Bartholomaei) Reverendissimus D(ominus) Hermann Grell als Paten genannt.

 

In St. Lambertuss Düsseldorf lassen sodann 1674 auch Peter v. Rodenkirchen und Catharina Spee ihren Sohn Ignatius Wilhelmus taufen, ob die Paten „Herr Ignatius Schlösser, Johan Wilhelm Haber und Magdalena Turks“ über die Herkunft der Eltern Aufschluss geben können, müsste noch geprüft werden. In eben dieser Zeit begegnen wir im Kirchenbuch der Düsseldorfer St. Lambertus-Pfarre aber auch dem Namen Peter Spee. Verständlicherweise zieht er in besonderem Maße unsere Aufmerksamkeit auf sich, weil der Vor- name Peter ebenso wie Friedrich und Johann ein Leitname des Kaiserswer- ther Spee-Astes ist, er also in besonderem Maße einen Anknüpfungspunkt zu sein verspricht, um über ihn eine Verbindungslinie zum Jesuitenpater Friedrich Spee ziehen zu können.

 

Für den 19. März 1664 werden im Taufbuch ein Petrus Speis und ein Joannes Speis neben einer Maria Baum als Paten bei der Taufe des Joannes Petrus, Sohn der Eheleute Joannes Wilhelmus Speis und Gertrud Ulendals vermerkt. In einer Eintragung am 15. April 1673 wird der Name von Vater Johann Wilhelm eindeutig mit „Speeh“ wiedergegeben.

 

Eindeutig mit der Namensform „Spee“ tritt uns ein Peter Spee in der Eintragung vom 29. Januar 1673 entgegen. Ihr zufolge hat „Petrus vom Spee“ neben Johann Wimmers und Christine Cuten (Keuten) Pate bei der Taufe von Johann Peter Kumpstoff gestanden, dem Sohn des Bertram Frantz Kompstoff und dessen Frau Anna Margareth Reinartz. Das „vom Spee“, das hier vielleicht ein „von Spee“ sein sollte, ist offenbar eine irrtümliche Beigabe, vielleicht aber auch erfolgt aufgrund einer gedanklichen Assoziation zur Titulatur der in Düsseldorf stadtbekannten freiherrlichen Familie Spee (s. weiter unten). Welche Beziehungen zwischen Peter Spee und den Eltern des Täuflings bestanden haben, müssen weitere Forschungen klären. Die folgenden Kirchenbuchvermerke, in denen Peter Spee unter anderem auch als Trauzeuge benannt wird, erscheinen aufschlussreicher.

 

Trauzeuge ist Peter Spee sowohl am 9. Mai 1683 bei der Eheschließung von Bernhard Spee mit Agnes Stock als auch am 26. August 1684 bei der Eheschließung von Johan Spee mit Anna Judith Firmenich. Da bei der Heirat Spee-Firmenich der Trauzeuge Johann Firmenich (Firmund) Vater der Braut war, könnte man vermuten, dass der Trauzeuge Peter Spee seinerseits Vater des Bräutigams war. Dieser Annahme würde nicht widersprechen, dass Peter Spee bei einem Sohn aus dieser Ehe Namengebender Pate wurde, zumal es der erste Sohn war und die Eltern, als sie dem Kind die beiden Namen Peter und Heinrich gaben, einer Erb-Namensgebungssitte gefolgt sein könnten, nach welcher man den ersten Sohn nach seinen beiden Großvätern benannte. Zeitlich betrachtet bietet sich wohl eher an, Peter, Johann und Bernhard für Brüder zu halten. Wir müssen diese Frage aber offen lassen.

 

Dafür sind die Namen der Taufpaten des jeweils ersten Kindes von Johann und Bernhard Spee für eine besondere Überraschung gut. Denn sowohl für Bernhard Spees Tochter Maria Ernestina am 23. Januar 1684 als auch für Johann Spees Tochter Anna Catharina Louisia am 22. Januar 1686 hat niemand geringeres Pate gestanden als die Praenobilis Generosa Domina Anna Elisabeth de Loe von Wissen dicta Spee, also die Ehefrau des Friedrich Christian Freiherrn von Spee! Dieses Zusammentreffen mit dem kurfürstlichen Kammerherrn muss um so mehr aufmerken lassen, als es sich bei den Vätern der Täuflinge, bei Bernhard und Johann Spee um zwei Handwerksmeister handelt, um einen Schneider- und einen Schumachermeister. Für die Mutter des einen Täuflings, für Anna Judith Spee geb. Firmenich, hatte die Patenschaft der Freifrau anscheinend renobilitierende Wirkung. Denn bei der Taufe ihrer Großnichte Anna Maria Stock am 18. Februar 1716 nennt der Kirchenbuchschreiber sie Perillustris Domina Anna Judith von Spee.

 

Bei der Taufe ihres dritten Kindes am 6. Oktober 1699 wird ihr Name übrigens mit Anna Judith Virmundts angegeben. Sicherlich ein Irrtum. Aber weil wegen der Kaiserswerther Verhältnisse eine Verbindung Spee-Virmund, wie es sie ja im landadligen Stamm der Spee und Virmund tatsächlich gegeben hat, auch für die bürgerliche Linie nahegelegen hätte, man denke an die Verbindungen Rensing-Virmund und Lommessen-Virmund, könnten Zweifel aufkommen, ob nicht Virmundt der richtige Name war und Firmenich eine Verfäl- schung. Eine Überprüfung, wie denn Anna Judiths Name in ihrer eigenen Taufurkunde vom 26. Januar 1666 gelautet hat, führt zu der verwirrenden Feststellung, dass für den Namen des Vaters ebenfalls „Virmundt“ steht! Anna Judiths Paten waren übrigens nur Bürger vornehmen Standes: Judith Thir (= Tegeder gnt. Thir) cdicta Binsfeld (jül.-berg. Sekretär Johan B.), Anna Bruns und Clarissimus Dominus Emundus Kremerius.

 

Die Patenschaft des Freiherrn v. Spee bei den Kindern der beiden Handwerkmeister gleichen Namens und wohl auch gleicher Herkunft, gibt Anlass, an das hohe Ansehen zu erinnern, das ehemals und auch noch zu jener Zeit mit dem Begriff Handwerkmeister - und mit dem Begriff Meister überhaupt – verbunden war. Man denke an den Nimbus des Begriffes „Meister“, wie er noch heute in Wortbildungen wie Bürgermeister, Hofmeister, Meister vom Stuhl (Freimaurer), Weltmeister, Gewandhaus-Kapellmeister, Magister usw. nach- klingt. Erst der dünkelhaften Ideologie des deutschen Landadels und des ihr nacheifernden so genannten „adligen“ Patriziats ist es im Laufe der Zeit gelungen, der gewerblichen Tätigkeit den Ruch der Unehre anzuhaften. So konnte Walter Görlitz völlig zu recht in seinem Geleitwort zum „Genealogischen Handbuch des Adels“ Bd. 10 bedauernd feststellen, die Herausbildung einer einheitlichen, vom Adel bestimmten Oberschicht, die Vereinigung von Grundadel, Bildungs- und Geschäftswelt, sei zum Schaden unsere eigenen Entwicklung in Deutschland nicht gelungen. Wie tief die Voreingenommenheiten und ideologischen Verzerrungen sich in unser Bewusstsein eingegraben haben und - uns unbewusst - in unseren Sprachgebrauch hineinwirken, zeigt die Weise, wie Görlitz seine durchaus tiefgründige und soziologisch höchst bedeutsame Erkenntnis formuliert. Dem Grundadel steht bei seiner Wortwahl nicht etwa ein Bildungs- und Geschäftsadel begrifflich gegenüber, mit dem alleine man sich die Vereinigung zu einem Oberbegriff Adel denken könnte, sondern eine Bildungs- und Geschäfts-„welt“, die sich aber in der Totalität ihrer Begrifflichkeit überhaupt nicht dazu eignet, Element einer übergreifenden Adelsvorstellung zu sein. In der „Welt“ ist nur die Adelswelt in toto Adel. Görlitz hat sich durch seine Formulierung also an der Frage vorbeigedrückt, was speziell aus der Bildungs- und Geschäftswelt dem Adel hätte zugerechnet werden müssen, damit der von ihm so zutreffend diagnostizierte Schaden sich hätte vermeiden lassen.

 

Kehren wir zu den Handwerksmeistern Spee zurück. In einer amtlichen Urkunde aus 1716 heißt es bezüglich des Bernhard Spee Tochter und Schwiegersohn: „der wohledeler Herr Bernhard Heinrich Wietz, des regierenden Herrn Grafen zu Bentheim hochgräflicher Excellens Cammerrath und Landrentmeister und dessen Eheliebsten Frau Anna Catharina Aloysia Spee genannt Wietz ...“. Zu den Paten ihrer beiden Söhne zählen 1712 bzw. 1716 „Excellentissimus Dominus Hermannus Fridericus Comes zu Bentheim sowie Herr Sigismundis Le Baron von Beveren.

 

Johanna Judith, Tochter von Meister Johann Spee, heiratet 1712 den niederländischen Kaufmann Henricus Porter, der 1719 die erste Seidenfabrik in Düsseldorf gründet. Der Sohn aus dieser Ehe, der kurfürstliche Jagd-Sekretär Christian Theodor Porter, bei dessen Taufe 1723 der Düsseldorfer Ratsherr und nachmalige Bürgermeister Christian Philipp Lauffs Pate gestanden hat, wird später selbst ebenfalls Düsseldorfer Ratsherr sein und nach Verzicht auf die Ratsherrenstelle das Amt des Düsseldorfer Stadtdirektors übernehmen.

 

 

XIV. Joannes Gerardus Spee zu Düsseldorf Praenobilis dominus. „Cancellariae offizialus“ am kurfürstl. Hofe

 

Am 1. Mai 1700 lassen Peter Spee und seine Frau Judith (wo sie geheiratet haben, ist noch unbekannt) in St. Lambertus Düsseldorf einen Sohn auf den Namen Johann Gerhard taufen. In dem Taufvermerk liest sich der Geburtsname der Mutter wie Judith „new“. Am 12. Juli 1711 heiratet eine Petronella New den Johann Casimir Peil und eine Anna Catharina Peil wiederum ist die Mutter jenes Johann Peter Kumpstoff, bei dessen Taufe unser Peter Spee 1673 – wie oben erwähnt – Pate steht. Vielleicht werden sich hier noch Zusammenhänge nachweisen lassen, die den Namen „New“ für die Ehefrau des Peter Spee bestätigen. Jedenfalls weisen auch die Paten bei der Taufe des Johann Gerhard eindeutig auf einen familiären Zusammenhang mit den Spee von Kaiserswerth hin.

 

Da ist zunächst der Pate Gerhard Robertz. Dieser Dr. jur. August Gerhard Roberts war von 1689 bis 1695 Schultheiß und 1698 Bürgermeister zu Düs- seldorf. Laut Fahne entstammte er väterlicherseits einem Kölner Patriziergeschlecht. Seine Eltern waren Wilhelm Robertz und Catharine Rensing. Diese Catharina Rensing war eine Tochter des Kaiserswerther Zollinspektors Gerhard Rensing und seiner Ehefrau Christina von Virmund. Der Bezug zum Kurkölnischen und zu Kaiserswerth wird durch die Patin Maria Theresia Jansen gnt. Roberts weiter noch verdeutlicht. Sie war die Tochter von Anton Robertz, kurpfälzischem Geheimrath, dem Bruder des Wilhelm Roberts. Anton Roberts hatte Elisabeth Rensing, eine Schwester der Frau des Wil- helm Roberts zu Frau, auch Maria Theresia Jansen ist also eine Enkelin des Kaiserswerther Zollinspektors Gerhard Rensing gewesen. Man geht sicher nicht fehl in der Annahme, dass der Name Gerhard, den Peter Spee seinem Sohne gab, letztendlich auf den Kaiserswerther Zollinspektor Gerhard Rensing zurückgeht und auf ihn auch verweisen soll.

 

Das führt zwangsläufig zu der Frage, woher Johann, der weitere Vorname des Täuflings, sich herleiten mag. Natürlich vordergründig von seinem Paten Johann Hettermann. Aber hinter diesem Paten mag der eigentliche Namenspatron verborgen sein. Denn wenn wir es hier mit dem ersten Kind aus der Ehe des Peter Spee zu tun haben sollten – so hat es jedenfalls den Anschein – dann wäre zu vermuten, dass ihm mit Johann Gerhard die Vornamen von Vorfahren gegeben worden sind. Es wäre also nach einem Johann Spee in Kaiserswerth zu suchen und da ist natürlich sofort an jenen Johann Spee zu denken, der, wie oben erwähnt, eine Elisabeth v. Pempelfort zur Frau hatte. Und hier scheint sich der Kreis zu schließen. Denn der Pate Johann Heinrich Hettermann, seines Zeichens Kur-Pfälzischer Geheimrat, Bergischer Vizekanzler und Reichsvikariatsdirektor, 1711 Freiherr v. Hettermann, war der Sohn des Bergischen Küchenmeisters Johann Hettermann und dessen Ehefrau Anna (v.) Pempelfort (oo 23.04.1648). Anna wurde 1630 als Tochter des Düsseldorfer Ratsherrn Gerhard (v.) Pempelfort (1628, Rentmeister 1630 u. 35, Bürgermeister 1640) geboren, bei ihrer Taufe haben Anna Rentlin (Ehefrau des Johann Wilhelm v. Rentlin, Bürgermeister 1630) vices Maria Goltschmit, Judith von Berck und Wilhelm Offerhausen (Bürgermeister 1626) Pate gestanden. Gerhard Pempelfort war mithin Schwiegervater des Küchenmeisters Johann Hettermann. Dieser Zusammenhang wird auch aus dem Taufvermerk vom 19. April 1637 deutlich, wo Gerhard Pempelfort als Taufpate neben Johannes Hettermann bei der Taufe von Johann, einem Sohn des Düsseldorfer Ratsherren Johann Lohausen genannt wird, welch letzterer ein Sohn der Eheleute Ratsherr Leonhard (v.) Lohausen und Christine Het- termann, der Schwester des genannten Paten Johann Hetterman gewesen ist. Der Name Pempelfort weist also eindeutig auf den familiären Zusammenhang zwischen den Familien Hettermann und Pempelfort hin und die Patenschaft des Johann Hettermann bei Johann Gerhard Spee lässt vermuten, dass der Vorname Johann Bezug nimmt auf Johan Spee von Kaiserswerth, den Ehemann von Elisabeth v. Pempelfort, Vater des Kaiserswerther Kanonikers Friedrich Spee und vermutlichen Bruder unseres Paters Friedrich Spee SJ.

 

Dass Johann Gerhard Spee in späteren Taufbuch-Notizen mit „praenobilis Dominus“ tituliert wurde, galt sicherlich nicht allein seiner beruflichen Tätigkeit als kurfürstlicher Beamter („cancellariae officiatus“) und Düsseldorfer Hospital-Verwalter, sondern bezog sich bestimmt auch auf die Stellung seiner Familie im patrizischen Gefüge der Städte Kaiserswerth und Düsseldorf.

 

 

XV. Pater Matthias Spee SJ zu Düsseldorf

 

Werfen wir abschließend noch einen kurzen Blick auf Matthias Spee. Er war der Sohn des oben erwähnten Düsseldorfer Hospitalverwalters Johann Gerhard Spee. Seine Mutter Anna Caecilia Beesen entstammte einer Kaiserswerther Patrizier-Familie, welche im 17. und 18. Jahrhundert mehrfach in Kaiserswerth Ratsherren, Schöffen und Bürgermeister gestellt hat. Bei der Taufe des Matthias in der Düsseldorfer Stiftskirche St. Lambertus am 7. September 1734 war einer seiner Paten der Kaiserswerther Kanoniker Matthias Godfried Beesen.

 

Aus dem Täufling Matthias Spee wurde jener Düsseldorfer Jesuitenpater, von dem schon eingangs unserer Betrachtungen die Rede war, als wir erwähnten, dass Ferber in seiner „Historischen Wanderung durch die alte Stadt Düsseldorf“ nichts anderes über ihn zu berichten wusste, als dass er der Sohn des Hospitalverwalters Spee gewesen und er am 3. Juli 1814 im Alter von 79 Jahren in Düsseldorf verstorben sei. Von Friedrich Spee war in diesem Zusammenhang bei Ferber nicht die Rede. Der bemerkenswerte Gleichklang von Namen und geistlichem Stand war ihm nicht aufgegangen oder ihm keiner Erwähnung wert. Doch wenn wir uns nun die verwandtschaftlichen Zusammenhänge bewusst machen, dann wird auch der Name des Düsseldorfer Jesuitenpaters Matthias Spee irgendwie mit umglänzt sein vom Nimbus und Ruhm des großen Barock-Dichters und weltbekannten Kämpfers gegen den Hexenwahn.

 

 

 

 

Literatur

 

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STRANGE, Joseph, Beiträge zur Genealogie adliger Geschlechter, Heft 11 (Köln 1872), S. 79 b, Hammerstein („Die Linie von Spee zu Kaiserswerth, deren Stammvater Friedrich heißt, ist mit dem Jesuiten und Dichter Friedrich Spee nicht erloschen. Es findet sich noch ein Friedrich Spee als Canonicus zu Kaiserswerth, welcher nach 1660 gestorben ist“.)

 

Zopes, Jan: ”Juristische Überzeugungskunst am Beispiel der Cautio Criminalis” in: Spee- Jahrbuch 2003, herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft der Friedrich-Spee-Gesellschaften Düsseldorf und Trier, Paulinus Verlag Trier 2003

 

        

 

Numerierte Quellangaben sind an Hand der

Fußnoten im Original nachzulesen.

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